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Medien-Apokalypse oder Neuanfang? Die beispiellosen Risse im Fundament der vierten Gewalt

Medien-Apokalypse oder Neuanfang? Die beispiellosen Risse im Fundament der vierten Gewalt
Die deutsche Medienlandschaft erlebt turbulente Zeiten: Interne Machtkämpfe, überraschende Kehrtwenden prominenter Journalisten und eine tiefe Spaltung zwischen Elite und Basis prägen das Bild. Wir beleuchten die dramatischen Entwicklungen hinter den Kulissen, von Axel Springer bis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die Beben im Medienkartell: Was hinter den Kulissen wirklich passiert

Die deutsche Medienlandschaft befindet sich in einem beispiellosen Umbruch. Was lange als monolithischer Block erschien, zerlegt sich zusehends selbst, geprägt von internen Machtkämpfen, ideologischen Gräben und überraschenden Kehrtwenden prominenter Akteure. Von „Cancel Culture“-Debatten um Dunja Hayali und Julia Reuss bis hin zu einem regelrechten Bürgerkrieg im Axel-Springer-Konzern – die vierte Gewalt erlebt turbulente Zeiten. Diese Entwicklungen werfen grundlegende Fragen nach der Rolle, der Glaubwürdigkeit und der Zukunft des Journalismus auf und zwingen uns, genauer hinzusehen, was wirklich hinter den Kulissen geschieht.

Jakob Augstein und der „Hort der Wokeness“: Ein Sohn rechnet ab

Eines der aufsehenerregendsten Beispiele für diese Zerrüttung liefert Jakob Augstein, Sohn des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein. Er attackiert plötzlich das Medium, für das er selbst geschrieben hat und das sein Vater einst ins Leben rief. Augstein bezeichnet „Spiegel Online“ als den „Hort der Wokeness im deutschen Journalismus“ und kritisiert die Behandlung der AfD als „echte Vollkatastrophe“. Diese Aussage ist besonders brisant, wenn man seine früheren Positionen betrachtet: Noch 2014 sprach er von „hässlichen Deutschen“, die ihre ausländerfeindliche Fratze zeigten, und 2015 warnte er vor einem wieder aufkeimenden Faschismus in Europa. Seine plötzliche Bereitschaft, mit der AfD ins Gespräch zu kommen, markiert eine bemerkenswerte Kertwende, die viele Beobachter irritiert und die Frage aufwirft, ob hier Opportunismus oder eine echte Einsicht im Spiel ist.

Die Springer-Saga: Machtkämpfe und ideologische Gräben

Auch der Axel-Springer-Konzern, ein Schwergewicht der deutschen Medienlandschaft, ist Schauplatz dramatischer Auseinandersetzungen. Konzernchef Matthias Döpfner scheint sich zunehmend der „MAGA“-Bewegung in den USA und der AfD in Deutschland anzunähern, was zu erheblichen internen Spannungen führt. Prominente Redakteure wie Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander, die bisher bei „Welt“ tätig waren, haben das Unternehmen verlassen, um mit ihrem „The Pioneer“-Podcast ein eigenes Format zu etablieren. Dies symbolisiert nicht nur einen personellen Aderlass, sondern auch eine Abkehr vom bisherigen Kurs. Die internen Konflikte wurden besonders deutlich, als ein Gastbeitrag von Alexander Gauland in der „Welt“ durch einen Redaktionsaufstand verhindert wurde, kurz nachdem Elon Musks Gastbeitrag, der die AfD als Reformkraft für Deutschland sah, bereits für Empörung gesorgt hatte.

Die wahren Ausmaße von Döpfners politischem Einflussstreben offenbarten geleakte Nachrichten aus dem Jahr 2021. Darin forderte er den damaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt auf, die FDP zu stärken, um eine Ampel-Koalition zum Platzen zu bringen und Jamaika zu ermöglichen. Noch schockierender sind seine Äußerungen über Ostdeutsche, die er als „entweder Kommunisten oder Faschisten“ bezeichnete und vorschlug, die ehemalige DDR in eine „Agrar- und Produktionszone mit Einheitslohn“ umzuwandeln. Diese Enthüllungen zeigen, wie tief die ideologischen Gräben innerhalb des Konzerns und der Gesellschaft verlaufen und wie sehr die persönliche Agenda eines Konzernchefs die journalistische Integrität beeinflussen kann. Auch die pro-ukrainische Haltung Springers kollidiert mit dem Deeskalationswunsch des „MAGA“-Lagers, dem Döpfner nahesteht, was die Komplexität der internen Dynamiken weiter erhöht.

Die „Woke“-Elite und die Realität der „Klempner“

Ein zentrales Thema, das die Debatte um die Medien spaltet, ist die zunehmende Entfremdung zwischen einer urbanen, vermeintlich „woken“ Elite und der arbeitenden Bevölkerung. Das „Klempner“-Beispiel illustriert dies prägnant: Wer, wenn nicht der AfD-wählende Handwerker, soll die Toilette reparieren? Früher wählten Arbeiter die SPD; heute wenden sie sich zunehmend der AfD zu. Diese Entwicklung wird von vielen linken Journalisten und Intellektuellen, wie Jan Böhmermann, der einen „verheerenden Einfluss“ auf das demokratische Klima haben soll, als „Ausschießer-Denken“ oder „Elitendenken“ kritisiert. Die Idee, dass „alle Nazis sind“, die nicht der eigenen Weltanschauung entsprechen, verhindert einen konstruktiven Dialog und spaltet die Gesellschaft. Die öffentliche-rechtliche Moderatorin Sarah Bosetti, die betonte, der ÖRR sei nicht zur Ausgewogenheit zwischen Wahrheit und Populismus verpflichtet, unterstreicht diese Haltung und zeigt die Kluft zwischen Selbstverständnis und Erwartungshaltung vieler Bürger auf.

Das Ende der alten Ordnung? Medien im Umbruch

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen sind weitreichend. Wir beobachten ein „linkes Zeitungssterben“, bei dem traditionelle Medien wie die „taz“ oder „Konkret“ in ihrer gedruckten Form verschwinden oder stark schrumpfen. Selbst der „Spiegel“ hat an Umfang verloren. Diese Medien, die einst als „Anywheres“ und „Nowheres“ die Gesellschaft abbildeten, verlieren ihre Bindung zur Basis. Dunja Hayalis Rückzug aus der Öffentlichkeit nach einem „Shitstorm“ zeigt, dass auch etablierte Figuren nicht mehr alles widerspruchslos hinnehmen oder sich den Konsequenzen entziehen können. Die internen Kämpfe und Abspaltungen, wie bei Axel Springer, deuten darauf hin, dass die alten Machtstrukturen bröckeln und eine neue Medienlandschaft entsteht, in der die Grenzen zwischen Journalismus, Aktivismus und politischer Einflussnahme zunehmend verschwimmen. Ob dies eine Apokalypse oder die Chance für einen Neuanfang ist, bleibt abzuwarten, doch eines ist sicher: Die Medien befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel, dessen Ausgang noch ungewiss ist.

Quelle: Compact

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