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Das Ende einer Ära? Wie Deutschlands grüne Stahllust das Land zu Fall bringt

Die deutsche Stahlindustrie steht am Scheideweg. Eine PwC-Studie enthüllt, dass Robert Habecks Vision vom „grünen Stahl“ in Europa nicht funktionieren wird. Steigende CO2-Preise und Energiekosten machen die Produktion unrentabel, während Milliarden an Subventionen ins Leere laufen. Droht Deutschland der Verlust seiner Schlüsselindustrie und eine selbstverschuldete Deindustrialisierung?

Einleitung: Die drohende Krise der deutschen Stahlindustrie

Die deutsche Stahlindustrie, einst ein Rückgrat unserer Wirtschaft, scheint dem Untergang geweiht. Dies ist die drastische Schlussfolgerung einer aktuellen Analyse der renommierten Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers (PwC), die im Rahmen einer Diskussionsrunde bei NIUS Live vorgestellt wurde. CO2-Steuern und explodierende Energiepreise machen europäischen Stahl im globalen Vergleich schlicht zu teuer. Was bleibt? Wohl nur die Verarbeitung von Schrottstahl, so die düstere Prognose.

Das grüne Versprechen: Habecks Visionen und Milliardenhilfen

Im Zentrum der Debatte steht die Vision vom sogenannten „grünen Stahl“, der klimaneutral mit Wasserstoff in Deutschland hergestellt werden sollte. Der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) befeuerte diese Hoffnung mit dem Versprechen von Milliarden Euro an Steuergeldern. Ziel war es, die deutsche Stahlindustrie am „grünen Reißbrett“ zu retten. Herr Habeck verkündete, dass die Planungsphase ende und das erste deutsche Stahlwerk tatsächlich im Bau „grün“ gemacht werde, um die Stahlproduktion zu dekarbonisieren.

PwC’s ernüchternde Realität: Ein europäisches Scheitern?

Doch die PwC-Studie zeichnet ein völlig anderes Bild: „Nichts davon wird in Europa funktionieren.“ Der CO2-Preis wird demnach den Herstellungspreis für Hochofenstahl in den kommenden 20 Jahren in etwa verdoppeln. Die besten Bedingungen für CO2-armen und preiswerten Stahl finden sich nicht in Europa, sondern in den Golfstaaten und Indien. Für Deutschland bliebe, so die Analyse, lediglich die Wiederverwertung von Schrottstahl und die Hoffnung, neue Geschäftsfelder mit Vorprodukten aus dem Ausland zu erschließen. Die Schlussfolgerung ist alarmierend: Das Ende der Stahlindustrie, wie wir sie in Deutschland kannten, ist möglicherweise gekommen.

Die Bedeutung der Stahlindustrie und die drohende Katastrophe

Die deutsche Stahlindustrie ist von immenser Bedeutung. Mit einem Umsatz von über 50 Milliarden Euro und 90.000 direkten Arbeitsplätzen sowie Millionen weiteren in angeschlossenen Branchen wie der Weiterverarbeitung von Vor- und Zwischenprodukten, wäre ein Niedergang eine Katastrophe für Deutschland. Die Studie titelt nicht umsonst „Das Ende der europäischen Stahlwirtschaft… oder einfach anders?“, was schon einen schlechten Vorboten darstellt.

Drei Szenarien und ihre bitteren Wahrheiten

Die Autoren der PwC-Studie haben drei Szenarien untersucht, alle unter der Voraussetzung, dass CO2-Preise und der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) bestehen bleiben:

  • Importgetriebener Wandel: Europa gelingt es nicht, Energiekosten zu senken, und CBAM funktioniert nicht wie gewünscht. Stahl aus dem Ausland, etwa den Golfstaaten und Indien mit günstigerer Energie, flutet den Markt. Deutschland und ganz Europa würden die Primärstahlproduktion verlieren.
  • Ausgewogener Übergang: Ein vages Szenario, das eine Art Mittelweg beschreibt, jedoch keine detaillierten Lösungen aufzeigt.
  • Europäische Selbstversorgung: Gigantisch hohe CO2-Preise und CO2-Zölle schützen Europa. Doch selbst in diesem Szenario verliert Deutschland seine Primärstahlproduktion. Nur Skandinavien könnte unter bestimmten Bedingungen (z.B. hohe Wasserkraft- oder Windenergieanteile) noch wettbewerbsfähig sein.

Das Fazit bleibt: Deutschland wird keine Primärstahlproduktion mehr haben. Was übrig bleibt, ist lediglich die Verarbeitung von Schrott und Resten aus der bisherigen Stahlproduktion zu sogenanntem Recyclingstahl. Vom einstigen Weltmarktführer in der Herstellung von Primärstahl aus Eisenerz und Koks bliebe nichts als ein „Schrottverwerter“.

Eine selbst verschuldete Deindustrialisierung?

Julius Böhm und Wolfgang Herles bezeichnen die Lage als „Katastrophe“. Herles bringt es auf den Punkt: „Die Deutschen sind in der Lage, sich selbst die Gurgel zuzuschnüren.“ Er nennt Herrn Habeck einen „Träumtänzer“, der von einem grünen Wirtschaftswunder schwadroniert, ohne Ahnung zu haben. Der Untergang einer Schlüsselindustrie sei „selbstverschuldeter Größenwahn“.

Kritiker monieren, dass Politik versuche, die Technik zu etwas zu zwingen, was sie nicht einlösen kann. Grüner Stahl koste unvergleichlich mehr als kohlebasierter Stahl. Die Politik sorge zudem durch Energiepreise und CO2-Bepreisung dafür, dass es noch unverhältnismäßig viel teurer wird. „Das ist nicht nur ein Erdrosseln… Erst wirst du erschossen und dann wirst du noch erdrosselt“, so Herles. Er geht sogar so weit zu sagen: „Die Deutschen sind das dümmste Volk auf Erden, wenn es um die Energiepolitik geht. Das ist weltweit bewiesen.“

Subventionen: Großzügige Schecks ins Verderben

Die Unternehmen haben laut Herles bereitwillig die großen Schecks der Subventionen entgegengenommen, in dem Glauben, diese könnten das eigentliche Geschäft ersetzen. Dies sei „dreifach dumm“. Zuerst wird erdrosselt, dann erschossen und am Ende noch erhängt.

Habecks Milliarden: Ein genauerer Blick

Die PwC-Experten werfen eine entscheidende Frage auf: Was passiert, wenn der CO2-Preis einfach wegfällt? Die Hauptursache für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie ist der explodierende CO2-Preis, zusätzlich zu hohen Energie-, Personal- und Steuerkosten. Die Produktionskosten sollen sich bis 2045 nochmals verdoppeln.

Grüner Stahl ist zwar herstellbar, aber nur dort, wo viel günstiger Strom und/oder Wasserstoff vorhanden ist. Denkt man an die Golfstaaten mit ihren riesigen Wüstengebieten, die für Solarenergie genutzt werden könnten, ohne Dörfer zu enteignen oder Wälder zu roden, so ist die Produktion dort wirtschaftlich. In Europa existieren solche Bedingungen nicht.

Die Ironie des Scheiterns: Deutschland schädigt sich selbst

Die Befürchtung ist, dass Länder wie China und die USA diesen grünen Kurs nicht mitgehen werden. Sie könnten weiterhin billigen Stahl produzieren, ohne sich um CO2-Emissionen zu kümmern. Deutschland würde sich die Gurgel umsonst abschnüren, und die Stahlproduktion würde nur woanders mit denselben Emissionen, eventuell sogar mit schlechteren Filteranlagen, stattfinden. „Man hat am Ende gar nichts gewonnen, außer sich selbst zugrunde gerichtet“, so die Experten.

Die Studie formuliert es drastisch: „Die strukturelle Kombination aus hohen Energiekosten, begrenzter Wasserstoffverfügbarkeit und fehlender Rohstoffbasis macht eine energieintensivere Grundstoffproduktion am Standort sehr herausfordernd.“ Die grünen Vorgaben können nicht eingehalten werden, weil es zu teuer ist, und die Subventionen sind „nahezu umsonst geflossen.“

Die Romantiker der Politik und ihre Taten

Wolfgang Herles bezeichnet die Politik als „hartnäckig“, ja „typisch deutsch“, Dinge um ihrer selbst willen zu übertreiben. Er nennt dies eine Definition des „Deutsch-Seins“, in Anlehnung an Richard Wagner. Die Grünen seien in diesem Sinne sogar „überdeutsch“, da sie die Romantik verinnerlicht hätten – ein Weltbild, das Deutschland im 19. Jahrhundert in den Nationalismus und den Ersten Weltkrieg stürzte.

Tatsächlich wurden Milliarden deutscher Steuergelder in Produkte gesteckt, die auf dem Markt nicht konkurrenzfähig sind. Im April 2023 erhielt Salzgitter AG eine Milliarde Euro von Robert Habeck und dem damaligen SPD-Ministerpräsidenten Weil. Doch Salzgitter hat mittlerweile bekannt gegeben, „einige Entwicklungsschritte nach hinten verschieben“ zu müssen, da sich die wirtschaftliche und politisch-regulatorische Lage „erheblich verschlechtert“ habe. Die genaue Summe von „999.999.999,87 Euro“ für die Dekarbonisierung zeige laut Herles lediglich die „Geistes-haltung“ einer deutschen Politik, die von einer „überflüssigen Bürokratie“ zerfressen ist.

ThyssenKrupp und das Saarland: Weitere Beispiele der Verirrung

Auch ThyssenKrupp erhielt im Juli 2023 rund zwei Milliarden Euro für das angeblich größte Dekarbonisierungsprojekt Deutschlands. Doch auch hier die Ernüchterung: ThyssenKrupp hat die Ausschreibung für grünen Wasserstoff für seine Direktreduktionsanlage ausgesetzt und bewegt sich „an der Grenze der Wirtschaftlichkeit“.

Im Dezember 2023 flossen weitere 2,6 Milliarden Euro ins Saarland, unter anderem an die Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl AG, um den klimaneutralen Umbau der Stahlproduktion zu ermöglichen. Saarstahl-Chef Stefan Rauber verteidigt laut Video den CO2-Preis, da sich der Umbau sonst nicht rechnen würde. Herles kommentiert dies drastisch: „Der Mann gehört in die Klapsmühle“ und vergleicht das Festhalten am CO2-Handel mit einem „Junkie an der Nadel“.

Die letzte Hoffnung: Sekundärstahl und ihre Grenzen

Bleibt die Hoffnung auf „Sekundärstahl“, also die Wiederverwertung von Stahlschrott? Es klingt verlockend: Weniger Kosten, weniger CO2-Ausstoß, Müllverwertung – Resilienz durch Kreislaufwirtschaft. Doch auch hier warnt die PwC-Studie: Es handelt sich um eine „sehr, sehr endliche Ressource“. Eine wachsende und prosperierende Wirtschaft kann nicht allein mit eigenem Schrott versorgt werden. Deutschland könnte zwar Schrott recyceln und „tollen Stahl“ aus dem Nahen Osten oder Indien beziehen, müsste aber dann „neue technisch höherwertigere, irgendwie besonderere Geschäftsfelder“ entwickeln.

Doch ob damit ganze Regionen mit zehntausenden gut bezahlten Mitarbeitern und Millionen weiterer Menschen in Zulieferbetrieben weiterhin versorgt werden können, ist höchst fraglich. Der eigentliche Auslöser und Grund für all dies ist der CO2-Preis. Politiker zwingen Unternehmen zu CO2-Neutralität, während sie gleichzeitig Milliarden an die grünen Kollegen verteilen. Das Effizienteste und Günstigste wird sich am Ende durchsetzen – wahrscheinlich in den USA und China, die sich nicht um Europas Klimapolitik scheren.

Fazit: Deutschland im selbstgewählten Niedergang

Die letzte Hoffnung, so fassen es die Kommentatoren zusammen, ist, dass „das einzige, was Deutschland noch kann, Schrott veredeln ist.“ Wolfgang Herles nennt dies eine „wunderbare Metapher“ für eine „Schrottwirtschaft“ und eine „Deindustrialisierung“. Dies sei kein Schicksal, sondern „gewollt, bewusst, so eingeleitet.“ Die entscheidende Frage bleibt: Wann werden wir endlich eine Regierung bekommen, die eine andere Wirtschaftspolitik betreibt?

Quelle: Nius

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