Wer beerbt Frank-Walter Steinmeier? Eine Nation rätselt – und streitet
Deutschlands politischer Horizont wird von einer Frage beherrscht, die weit über das übliche parteipolitische Geplänkel hinausgeht: Wer wird im Jahr 2027 die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier antreten? Während die offizielle Wahl durch die Bundesversammlung erst im Januar 2027 ansteht, entzündet sich bereits jetzt eine heftige Debatte über die Qualifikationen, das Geschlecht und die politische Herkunft des künftigen Staatsoberhaupts. Eine Diskussion, die von einigen als überfällig, von anderen als „verlogenste Debatte des Jahres“ bezeichnet wird und tiefe Gräben in der deutschen Politik offenbart.
Das Geschlecht als Kriterium: Die ewige Gretchenfrage
Die Frage, ob der nächste Bundespräsident eine Frau sein sollte, steht im Mittelpunkt der aktuellen Auseinandersetzung. SPD und Grüne machen hieraus kein Geheimnis und fordern vehement eine weibliche Nachfolgerin. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte gegenüber den Nürnberger Nachrichten unmissverständlich: „Ich finde, es ist höchste Zeit zum ersten Mal eine Frau zur Bundespräsidentin zu wählen.“ Diese Festlegung, so Klingbeil, sei längst überfällig.
Markus Söder (CSU), der bayerische Ministerpräsident, scheint diesen Wind zu spüren und prescht mit einem konkreten Vorschlag vor: Er wünscht sich seine Parteikollegin Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayerischen Landtags, als Kandidatin. Söder argumentiert, dass Aigner über die nötige Erfahrung verfügt – als Bundesministerin und Vizeministerpräsidentin – und in der aktuellen Konstellation „eine sehr gute Chance“ habe, auch mit positiven Signalen aus der SPD. Er spricht sogar davon, dass man sich auf die Nominierung einer Frau geeinigt habe, und dass selbst Bundeskanzler Scholz Aigner als „respektable, denkbare Bundespräsidentin“ bezeichnet habe.
Die CDU hingegen, vertreten durch ihren Fraktionschef Thorsten Frei, lehnt eine Festlegung auf das Geschlecht ab. Frei plädiert für Offenheit und betont, dass Eignung über dem Geschlecht stehen sollte. Ein Punkt, der die politische Gemengelage zusätzlich verkompliziert und aufzeigt, dass selbst innerhalb der vermeintlich konservativen Lager unterschiedliche Ansichten herrschen.
Frank Spalter und die verlorene Legitimität: Kritik am Status quo
Doch die Debatte geht weit über die Geschlechterfrage hinaus. Der Co-Moderator Alexander D. bezeichnet die gesamte Diskussion als „die verlogenste Debatte des Jahres“. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die Fixierung auf das Geschlecht, sondern auch gegen die bisherige Amtsführung Frank-Walter Steinmeiers. D. wirft dem amtierenden Bundespräsidenten vor, das Amt „sehr, sehr schlecht geführt“ und sogar „ruiniert“ zu haben. Steinmeier, von Alexander D. polemisch „Frank Spalter“ genannt, habe das Land gespalten, statt zu einen. Er habe sich nicht als Präsident aller Deutschen verstanden, sondern nur „das gute Deutschland“ (sprich: das linke, sozialdemokratische, grüne) vertreten und damit große Teile der Bevölkerung, insbesondere AfD-Wähler, ausgegrenzt.
Diese Kritik an Steinmeiers Amtszeit ist ein zentraler Pfeiler der Forderung nach einem Neuanfang. Es brauche, so Alexander D. und sein Co-Moderator Gunnar Schupelius, einen Bundespräsidenten, der das gesamte Land repräsentiere: „Ost wie West, Alt wie Jung, Reich wie Arm“. Einen Politiker, der Brücken baut und nicht trennt. Schupelius ergänzt, dass Steinmeier es versäumt habe, über den Parteien zu stehen, was jedoch die eigentliche Rolle des Staatsoberhaupts sei.
Jenseits der Parteibücher: Ungewöhnliche Kandidaten und neue Konzepte
Die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik und der Wunsch nach einem wahrhaftig verbindenden Staatsoberhaupt führen zu überraschenden Vorschlägen. Micky Beisenherz, der Comedian, wirft den Namen Barbara Salesch – einer bekannten TV-Richterin – in den Ring. Sie hätte, so Beisenherz, „breitere Akzeptanz […] als ein Berufspolitiker wie Boris Rhein“. Das Festhalten an Berufspolitikern sei „peinlich“.
Alexander D. und Gunnar Schupelius gehen noch weiter und schlagen mit einem Augenzwinkern, aber doch ernsthaft, den Entertainer Harald Schmidt vor. Er sei „klug, nie peinlich, überparteilich, brillanter Redner, unbelastet durch die Pandemie, überragendes Gespür für Geist und Ungeist der Zeit“. Ein Gegenentwurf zum tradierten Bild des Staatsoberhaupts. Weitere Namen, die in den Raum geworfen werden, sind die Schriftstellerin Juli Zeh, der TV-Richter Alexander Hold, der frühere Schwimmer Michael Groß oder sogar ein erfolgreicher Unternehmer.
Gunnar Schupelius kritisiert in diesem Zusammenhang die „Frauenquote“ als „sozialistische Erfindung“, die individuelle Leistung ignoriere. Es gehe nicht darum, dass „eine Frau dran ist“, sondern um die geeignetste Person, unabhängig von Geschlecht oder Parteizugehörigkeit. Ein Bundespräsident müsse ein „leidenschaftlicher Patriot“ sein, der sich für die Deutschen und ihre Interessen einsetzt und das Zusammenleben fördert.
Machtspiele und politische Kalküle: Der leise Verdacht der Manipulation
Die Suche nach einem neuen Bundespräsidenten ist jedoch nicht frei von politischen Kalkülen und Intrigen. Alexander D. äußert den Verdacht, dass Ilse Aigner bewusst ins Gespräch gebracht wird, um sie aus der bayerischen Politik wegzuloben und so Markus Söder den Weg an die Spitze zu ebnen. Auch könnte die Wahl eines CDU-Politikers wie Boris Rhein dazu dienen, diesen aus dem innerparteilichen Rennen um die Kanzlerschaft zu entfernen.
Diese „Schacher-Masse der gerade Regierenden Parteien“ führt, so die beiden Moderatoren, dazu, dass der Präsident oft nur ein Produkt politischer Absprachen ist, um Koalitionskonflikte zu befrieden oder unerwünschte Persönlichkeiten zu „entsorgen“. Ein solches Vorgehen entzieht dem Amt jedoch die nötige Legitimität und Würde.
Die Frage der Legitimation: Direktwahl oder Bundesversammlung?
Als Lösung für die mangelnde Legitimation schlägt Alexander D. eine Direktwahl des Bundespräsidenten vor. Er argumentiert, dass ein direkt vom Volk gewähltes Staatsoberhaupt eine weitaus höhere Legitimation hätte und das gesamte Volk besser repräsentieren könnte. Man könne den Wahlkampf durchaus reglementieren oder die Amtszeit auf sieben Jahre verlängern, um die Häufigkeit von Wahlen zu reduzieren. Dennoch sei es unerlässlich, die Elite von heute nicht die Elite von gestern wählen zu lassen.
Gunnar Schupelius hingegen steht einer Direktwahl skeptisch gegenüber. Er gibt zu bedenken, dass der Bundespräsident in Deutschland keine echte Machtposition innehat und eine Direktwahl falsche Erwartungen im Volk wecken würde. Die aktuelle Verfassung sehe ein wichtiges, aber eher repräsentatives Amt vor, das aus der Politik heraus besetzt wird.
Ein Appell an die Einheit: Was Deutschland wirklich braucht
Am Ende der hitzigen Debatte steht ein klarer Appell: Deutschland braucht ein Staatsoberhaupt, das nicht spaltet, sondern verbindet. Eine Persönlichkeit, die über den Parteien steht, die sich für alle Deutschen einsetzt, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder politischer Überzeugung. Die die soziale Marktwirtschaft und die Werte vertritt, für die Deutschland seit über 70 Jahren steht.
Es geht nicht um eine Frau, nicht um einen Mann, nicht um einen Berufspolitiker allein, sondern um die Fähigkeit, ein Land in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten und mit einer klaren, leidenschaftlichen Vision zu führen. Die spannende Frage bleibt: Wird die Bundesversammlung im Januar 2027 diesen Ruf erhören oder sich erneut in parteipolitischen Manövern verlieren?


