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Gefeuert wegen Putin – und jetzt? Ex-Marine-Chef Schönbachs gnadenlose Abrechnung mit Deutschlands Politik, Medien und dem gefährlichen Kurswechsel

Ex-Inspekteur der Marine Kay-Achim Schönbach wurde wegen seiner Äußerungen zur Krim und Russland entlassen. In einem brisanten Interview spricht er Klartext über die Hintergründe seiner Entlassung, die Medienlandschaft und Deutschlands gefährlichen 'Sonderweg' in der Außen- und Verteidigungspolitik.

Ein Admiral spricht Klartext: Zwischen Enttäuschung und neuem politischen Engagement

Admiral Kay-Achim Schönbach, ehemaliger Inspekteur der Marine, ist eine Persönlichkeit, die in jüngster Vergangenheit für Schlagzeilen sorgte. Seine umstrittenen Äußerungen zur Krim und Russland während einer Dienstreise in Indien führten zu seinem abrupten Abschied aus der Bundeswehr. Nun hat er in einem ausführlichen Interview nicht nur die Umstände seiner Entlassung beleuchtet, sondern auch eine scharfe Analyse der deutschen Politik, Medienlandschaft und des vermeintlichen „Sonderwegs“ in der Verteidigungspolitik geliefert. Seine Worte sind ein Weckruf zur Selbstreflexion und ein Plädoyer für einen Neuanfang.

Prägende Erfahrungen auf See: Führung, Verantwortung und Menschlichkeit

Schönbach, der als einer der wenigen Admirale 13 bis 14 Jahre auf See verbrachte, betont die einzigartigen Lektionen, die man dort lernt. In der Enge eines Schiffes, fernab der Heimat, werde der Umgang mit Mannschaften und Offizieren zu einer existentiellen Frage. Hier zählten nicht nur militärische Fähigkeiten, sondern vor allem menschliche Qualitäten: gegenseitiger Respekt, Verständnis für die unterschiedlichsten Charaktere und die Fähigkeit, in Extremsituationen gemeinsam zu bestehen. Diese Erfahrungen, so Schönbach, seien nicht nur für das Militär, sondern auch für das zivile Leben und die Politik von unschätzbarem Wert. Sie lehren, dass das Gelingen einer Mission stets von der Zusammenarbeit und dem Zusammenhalt abhängt.

Der schicksalhafte Indien-Besuch: Kontext, Aussagen und Missverständnisse

Der Anlass für Schönbachs Entlassung war ein Besuch in Indien, wo er als Inspekteur der Marine die deutsche Fregatte „Bayern“ begleitete. Deutschland kehrte damit nach Jahren der Abstinenz mit einer Marinepräsenz in Ostasien zurück – ein symbolträchtiger Schritt. Bei einer Diskussionsrunde mit Think Tanks wurde Schönbach mit zwei brisanten Fragen konfrontiert. Zuerst ging es um die Krim und Russland. Schönbachs Antwort: Die Krim sei militärisch betrachtet „weg und kommt nicht wieder“ – eine militärische Lagefeststellung, die jedoch als politische Billigung fehlinterpretiert wurde. Die zweite Frage galt Russlands Zielen. Schönbach entgegnete, Russland wolle „auf Augenhöhe als Partner, als Großmacht wahrgenommen werden“ und erwarte „Respekt“. Er fügte hinzu, dass Respekt „low cost, even no cost“ sei, um das Spannungsfeld aufzulösen, nicht um Putins Handlungen zu rechtfertigen. Er betonte, Respekt müsse jedem gewählten Staatsoberhaupt entgegengebracht werden, unabhängig von dessen Handlungen – eine Haltung, die er unter anderem von Ex-Verteidigungsminister Peter Struck gelernt habe.

Die Medien- und Politikspirale: Eine Entlassung unter Druck

Die Reaktionen auf Schönbachs Aussagen waren heftig. Die Medien zerrissen seine Worte aus dem Kontext, interpretierten sie als Putin-freundlich und forderten seinen Rücktritt. Schönbach wurde als „Putin-Knecht“ verunglimpft und fälschlicherweise beschuldigt, die Annexion der Krim gutzuheißen. Er selbst sah sich als Opfer eines medialen „Framings“, das seine militärische Lageeinschätzung und diplomatische Herangehensweise verzerrte. Obwohl die damalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht laut Schönbach ihn halten wollte und der Generalinspekteur seine Integrität bestätigte, war der politische Druck immens. Schönbach wurde zum Rücktritt aufgefordert und kam diesem nach. Er betont jedoch, dass er sich nicht als Opfer sehe, sondern die Situation als Folge politischer und medialer Dynamiken akzeptiere.

Deutschlands gefährlicher Kurswechsel: Eine kritische Bilanz der Außenpolitik

Schönbach nutzt das Interview auch für eine umfassende Kritik an der deutschen Außen- und Verteidigungspolitik. Er beobachtet eine gefährliche Entwicklung weg von einer auf Verteidigung ausgerichteten Haltung hin zu einer interventionistischen, ja gar „militaristischen“ Rhetorik. Die sukzessive Ausweitung deutscher Auslandseinsätze – von anfänglich „harmlosen“ Missionen in Kambodscha über Afghanistan, Mali und Somalia – sieht er als schrittweise Grenzüberschreitung. Diese Einsätze, so seine bittere Bilanz, seien politisch zumeist nicht erfolgreich gewesen, hätten aber Menschenleben und Steuergelder gekostet. Er kritisiert die mangelnde politische Entschlossenheit, die Notwendigkeit robuster Mandate anzuerkennen, und hinterfragt die strategische Stringenz hinter diesen Engagements. Die Bereitschaft Deutschlands, sich an internationalen Missionen zu beteiligen, sei zwar ein Zeichen wiedergewonnener Souveränität, doch die konkrete Umsetzung und die mangelnde Definition eigener vitaler nationaler Interessen seien alarmierend.

Besondere Sorge bereitet Schönbach die zunehmend eskalierende Sprache im Kontext des Ukraine-Krieges, wo Menschen, die noch vor Kurzem als „Partner“ galten, nun als „Gesindel“ oder „Bestien“ bezeichnet werden. Er warnt vor einem „deutschen Sonderweg“, der das Land in Abenteuer stürzen könnte, für die es weder militärisch noch gesellschaftlich bereit ist. Er appelliert an eine Rückbesinnung auf „Maß und Mitte“ und die Fähigkeit, „Stopp“ zu sagen, wenn die eigenen Möglichkeiten überschritten werden.

Die „Brandmauer“ und ein Neuanfang in der Politik

Nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr suchte Kay-Achim Schönbach bewusst ein neues politisches Betätigungsfeld. Er sah sich als „Bürger in Verantwortung“, der nicht „stillsitzen und schimpfen“ wolle. Seine politische Reise führte ihn zunächst in die CDU, aus der er austrat, als sie seiner Meinung nach zu weit nach links rückte. Er engagierte sich in der WerteUnion und später in der neuen Partei Bündnis Deutschland. Die sogenannte „Brandmauer“ gegen die AfD kritisiert er scharf. Für Schönbach ist es essenziell, mit allen politischen Kräften – auch mit den umstrittenen – im Gespräch zu bleiben. Er glaubt fest an den „institutionalisierten Zweifel“ als Säule der Demokratie und betont die Notwendigkeit, unterschiedliche Perspektiven zu hören und zu respektieren. Die AfD sieht er als eine Kraft, die teils Positionen vertritt, die einst von der CDU in den 90er-Jahren besetzt wurden. Er würde sich auch dem parteiinternen Dialog mit der AfD stellen. Die Politik müsse den Mut haben, nationale Interessen klar zu definieren und zu vertreten, statt sich hinter supranationalen Organisationen zu verstecken oder unüberlegt zu handeln.

Ein Patriotisches Plädoyer: Für Deutschland, seine Menschen und die Zukunft

Kay-Achim Schönbach bezeichnet sich selbst als „Patriot“. Ihm schmerzt es zu sehen, wie Deutschland sich selbst fesselt und sein enormes Potenzial nicht ausschöpft. Er glaubt fest daran, dass das Land und seine Menschen mehr könnten, wenn sie ihre eigenen Stärken erkennen und ihre Interessen klarer formulieren würden. Angesichts der Instabilität der Bundesregierung und der großen Veränderungen, vor denen Deutschland steht, schließt er mit einem klaren Statement: Er stünde für ein politisches Amt zur Verfügung, wenn es darum ginge, dem Land und seinen Menschen zu dienen und es wieder auf einen besseren Weg zu führen. Wer in dieser Situation Nein sage, obwohl er dem Land und seinen Bürgern Gutes tun könne, sei „alles andere als ein Patriot“, so Schönbach – eine Botschaft, die als eindringlicher Appell an die politische Elite verstanden werden muss, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zur Veränderung zu haben.

Quelle: Compact

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