Einleitung: Von der angesehenen Ärztin ins Exil
Die Geschichte von Dr. Carola Javid-Kistel ist ein Spiegelbild der tiefgreifenden Veränderungen, die Deutschland in den letzten Jahren erlebt hat. Einst zählte sie zu den angesehensten Ärztinnen des Landes, doch heute lebt sie mehr als 9.000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt im mexikanischen Exil. Viele kennen ihre Geschichte bereits aus unserer Dokumentation „Corona Helden – Wir vergessen euch nie“. Doch was ist seitdem geschehen? In einem aktuellen Interview auf auf1.tv spricht Dr. Javid-Kistel erstmals ausführlich über ihr Leben in Mexiko, die Beweggründe für ihre Flucht, die anhaltenden Herausforderungen und ihre Hoffnungen für die Zukunft.
Das Leben im mexikanischen Exil: Eine Mischung aus Freiheit und Sehnsucht
Dr. Javid-Kistel lebt heute an der Riviera Maya in Mexiko. Ihr Alltag unterscheidet sich drastisch von ihrem früheren Leben in Deutschland. Sie beschreibt ein Leben in einer Gated Community, weit entfernt vom Meer, das nur einen Blick darauf zulässt. Trotz der Schönheit Mexikos und des meist guten Wetters ist die Sehnsucht nach Hause omnipräsent. „Mir geht auch durch den Kopf, was ich alles in Deutschland verloren habe in den letzten Jahren“, sagt sie mit spürbarer Wehmut. Diese Verluste wiegen schwer, auch wenn sie versucht, das Beste aus ihrer neuen Situation zu machen.
Der letzte Deutschlandbesuch und die Folgen
Ihr letzter Besuch in Deutschland im Jahr 2023 endete jäh. Sie wurde am Flughafen Zürich festgenommen und verbrachte zwölf Tage in Haft. Danach wurde sie unter Bewährung gestellt – eine Situation, die sie bis heute daran hindert, nach Deutschland zurückzukehren. Die Angst vor einer erneuten Festnahme und Inhaftierung, möglicherweise wegen „Volksverhetzung“, ist ein ständiger Begleiter. „Innerhalb der Bewährungszeit können sie mich immer wieder versuchen einzusperren“, so Javid-Kistel.
Der Bruch: Die Verfolgung kritischer Ärzte
Die Corona-Jahre haben Deutschland verändert, Familien entzweit, Freundschaften zerstört und Mediziner vor existenzielle Entscheidungen gestellt. Viele Ärzte, die sich kritisch äußerten oder alternative Behandlungsmethoden anwandten, sahen sich erheblichen Konsequenzen gegenüber: Berufsrechtliche Verfahren, Geldstrafen, der Verlust der Approbation oder sogar strafrechtliche Auseinandersetzungen mit Gefängnisstrafen. Dr. Javid-Kistel berichtet, dass über 1.000 Ärzte verurteilt wurden und acht Kollegen nicht überlebt haben. Viele befinden sich im Exil oder sind untergetaucht, um Prozessen und Inhaftierungen zu entgehen.
Der persönliche Wendepunkt
Für Dr. Javid-Kistel war die dritte Hausdurchsuchung in ihrer Praxis im Februar 2022 der entscheidende Moment. Sie erlitt Panikattacken und wurde von ihrem Anwalt eindringlich geraten, Deutschland zu verlassen. Die Offenlegung ihrer Patientenakten und die detaillierte Dokumentation ihrer Aktivitäten, selbst von ihren Reden auf Demonstrationen mit minutengenauen Zeitangaben, schockierten sie zutiefst. Als ehemalige Bürgerin der DDR fühlte sie sich an die Methoden der Stasi erinnert, wo Menschen leicht in Gefängnissen verschwanden. Diese Erfahrung ließ sie erkennen, dass eine Rückkehr zu diesem Zeitpunkt unmöglich war.
Deutschland vs. Mexiko: Ein Land der Gegensätze
Der größte Unterschied zwischen Mexiko und Deutschland, so Dr. Javid-Kistel, liegt in der Mentalität und dem Umgang mit staatlichen Maßnahmen. Mexiko hatte während der Pandemie kaum Einschränkungen, keine Lockdowns und nur minimale Maskenpflicht. Die Menschen pflegen eine Kultur des „Leben und leben lassen“, wodurch Denunziation weitaus seltener ist als in Deutschland. So konnten sich viele Mexikaner ungestraft falsche Impfpässe besorgen, ohne dass die Ärzte oder sie selbst belangt wurden. Die „Denunziantenkultur“, die in Deutschland während Corona aufblühte, sei in Mexiko nicht anzutreffen.
Allerdings ist Mexiko auch ein Land der Gegensätze: Von bitterster Armut bis zu Luxuskomplexen. Es ist stark amerikanisiert, was sich sowohl in positiven Bestrebungen wie einem boomenden Esoterik- und Wellness-Markt, als auch in negative Auswirkungen auf die Natur zeigt, etwa durch Umweltverschmutzung und die Sargassoplagge an den Küsten.
Unterstützung und Enttäuschung: Familie, Kollegen und die „Mut-Ärzte“
In dieser schwierigen Zeit hat Dr. Javid-Kistel Unterstützung von verschiedenen Seiten erfahren. Ihre Kollegen, die ebenfalls kritisch dachten und handelten, sind ihr zur Seite gestanden. Sie ist Teil einer „kleinen Selbsthilfegruppe“ von „Mut-Ärzten“, die sich vernetzen und gegenseitig unterstützen. Auch Teile ihrer Familie, insbesondere ihre Schwester, standen zu ihr. Doch es gab auch Enttäuschungen: Manche Familienmitglieder warfen ihr vor, ihre berufliche Existenz „ohne Not“ aufs Spiel gesetzt zu haben. Ihre eigene Approbation wurde ihr im Frühjahr 2024 entzogen, sodass sie sich nach 30 Jahren Berufserfahrung nicht mehr Ärztin nennen darf. Dies empfindet sie als unfassbare Ungerechtigkeit, da sie stets zum Wohle ihrer Patienten handelte und keinen Schaden anrichtete, sondern Kinder und Jugendliche durch Atteste und Befreiungen schützte.
Das Gesundheitssystem in der Krise und die Vision für die Zukunft
Dr. Javid-Kistel äußert sich besorgt über den Zustand des deutschen Gesundheitssystems. Das Vertrauen vieler Patienten in Ärzte ist erschüttert. Sie kritisiert die Privatisierung des Gesundheitswesens, bei der es nur noch um Effizienz und teure Behandlungen geht, statt um das Wohl des Menschen. Homöopathie und Naturheilverfahren wurden systematisch zurückgedrängt und diskreditiert. Viele Menschen seien inzwischen „chronisch krank“ und werden von einem System gefangen gehalten, das am Kranksein verdient. Sie fordert eine Rückkehr zu echter Prävention, Prophylaxe und einer nebenwirkungsfreien Therapie, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.
Ihre Vision ist die Errichtung eines Heilkundezentrums in Mexiko, idealerweise an der Sonne und am Meer. Dort möchte sie vorzugsweise impfgeschädigte Kinder behandeln und Menschen zur Eigenverantwortung und Selbstbestimmung befähigen. Es gehe darum, kritisch zu bleiben, aufmerksam zu sein und zu lernen, gesund zu leben im Einklang mit der Natur. Nur so könne man den kommenden Herausforderungen wie neuen „Plandemien“ und der „Agenda 2030“ begegnen. Sie appelliert an alle, sich nicht unterdrücken und entfremden zu lassen, sondern aufrecht zu bleiben und „Nein“ zu sagen zu Dingen, die ihnen und ihren Kindern schaden.
Fazit: Ungebrochen im Kampf um die Freiheit
Dr. Carola Javid-Kistel ist trotz aller Widrigkeiten ungebrochen. Ihre Geschichte ist ein Zeugnis von Mut, Aufrichtigkeit und dem unermüdlichen Kampf für die Freiheit. Sie und viele ihrer Kollegen haben viel aushalten müssen, aber sie geben nicht auf. Ihr Wunsch ist es, dass die Corona-Zeit umfassend aufgearbeitet wird, um für zukünftige Krisen gewappnet zu sein. Und sie ist davon überzeugt: „Wir sind ungebrochen. Es gibt keine andere Option als weiterzumachen.“ Dies ist sie ihren Kindern und Enkelkindern schuldig, und allen Menschen, die sich ein Leben in Freiheit und Gesundheit wünschen.

