SEI SCHLAU UND SCHAU:

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Verborgene Schulden, gebrochene Regeln: Warum Deutschlands Haushalt eine tickende Zeitbombe ist – Ein Ökonom rechnet ab

Ökonom Bernd Raffelhüschen zerlegt in einem Interview den deutschen Bundeshaushalt: Er kritisiert massive Neuverschuldung, das Umgehen der Schuldenbremse durch Sondervermögen und eine „Frittenbuden-Wirtschaft“ ohne klare Regeln. Trotz Rekordeinnahmen sieht er eine fehlende Konsolidierungsstrategie und versteckte Pensionsschulden, die Deutschland in eine gefährliche finanzielle Zukunft steuern.

Einleitung: Droht Deutschland ein Schulden-Desaster?

Deutschlands Haushaltsplanung steht im Fokus scharfer Kritik. Der aktuelle Haushaltsentwurf der Bundesregierung für das kommende Jahr sorgt für Besorgnis bei Ökonomen und Bürgern gleichermaßen. Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler und Sozialstaatsexperte aus Freiburg, nimmt in einem aktuellen Interview kein Blatt vor den Mund und zeichnet ein düsteres Bild der finanziellen Lage Deutschlands. Er spricht von einer „zukünftigen Notoperation am laufenden Band“ und einem Haushalt, der eher an eine „Frittenbude ohne Regeln“ erinnert. Was genau steckt hinter dieser drastischen Einschätzung, und welche Konsequenzen drohen uns?

Ein Budget im Dauernotstand: Mehr Schulden, keine Strategie

Die Kernbotschaft des aktuellen Haushaltsentwurfs ist eindeutig: mehr Schulden. Raffelhüschen kritisiert, dass ein wirklich strategischer Plan für Konsolidierung weder im vorliegenden Entwurf noch in der mittelfristigen Finanzplanung erkennbar ist. Im Gegenteil, die Situation werde sich in den nächsten Jahren voraussichtlich noch verschlimmern. Anstatt zu konsolidieren, wird der Sozialstaat weiter ausgebaut, was Deutschland die höchste Sozialausgabenquote in der Geschichte beschert. Die Regierung verschiebt Ausgaben lediglich und verzichtet auf nachhaltige Reformen.

Militärausgaben als einziger „Pluspunkt“?

Auffällig ist, dass die Militärausgaben deutlich erhöht werden, während an anderen Stellen nur geringfügige Kürzungen vorgenommen werden. Dies führt zu einer Schieflage, bei der die demografische Last voll durchschlägt und letztlich alles durch Schulden finanziert wird – von Militär und Krankenhäusern bis hin zu den Renten. Die über 200 Milliarden Euro Neuverschuldung, die fast die Hälfte des gesamten Haushaltsvolumens ausmachen, belasten künftige Steuerzahler enorm, wie Raffelhüschen betont.

Die Illusion der Sparsamkeit: Schuldenfinanzierung und „Verschiebebahnhöfe“

Die Schuldenbremse, ein Kerninstrument zur Haushaltsdisziplin, wird laut Raffelhüschen durch geschickte Manöver, insbesondere durch sogenannte „Sondervermögen“, umgangen. Der Bundeshaushalt wird so zu einem „riesigen Verschiebebahnhof von diversen Sondervermögen“. Ein Beispiel hierfür ist das 100 Milliarden Euro schwere Sondervermögen Bundeswehr. Die Tilgung dieser Schulden, ursprünglich für 2022 geplant, wurde auf 2033 verschoben. Dies schafft zwar kurzfristig finanziellen Spielraum, verschiebt die Lasten aber nur in die Zukunft, wo sie sich summieren und umso drastischer auswirken werden.

Der „Investitionsminister“ ohne Investitionen

Der im Video genannte Finanzminister hatte versprochen, dass das Sondervermögen kein „Verschiebebahnhof“ sein und er selbst den Titel eines „Investitionsministers“ tragen würde. Doch die Realität sieht anders aus: Investitionen in die deutsche Infrastruktur stagnieren auf niedrigem Niveau. Anstatt in die Zukunft zu investieren, werden Ausgaben verschoben und die Infrastruktur vernachlässigt. Raffelhüschen sieht darin einen falschen Weg, der die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands langfristig schwächt.

Rekordeinnahmen vs. Klagegesänge: Wo ist das Geld hin?

Ein erstaunlicher Widerspruch, den Raffelhüschen aufdeckt: Während die Bundesregierung ständig die Botschaft aussendet, „alles auf Kante genäht“ zu haben und das Geld hinten und vorne nicht reiche, verfügt Deutschland über die höchsten Steuereinnahmen und Beitragseinnahmen in den sozialen Sicherungssystemen, die es je gegeben hat – sowohl absolut als auch relativ. Wie kann das sein? Die Antwort ist eine Staatsquote von über 50 Prozent, was bedeutet, dass die Hälfte dessen, was die Menschen erwirtschaften, nicht von ihnen selbst, sondern von Politikern und Bürokraten im Verwaltungsapparat verteilt und verwaltet wird.

Das „Pommesbuden-Budget“: Ein Verstoß gegen Grundsätze

Professor Raffelhüschens drastisches Fazit: Die Haushaltsführung in Deutschland gleicht der einer „Frittenbude“. Dies liegt daran, dass der Bund eine reine Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung vorweist, keine tatsächliche Bilanz, wie sie ein ehrbarer Kaufmann erstellen würde. Das eigentliche Problem sind die „versteckten Schulden“: Pensionslasten für zukünftige Beamte und Versprechen aus Rentenversicherungen, die nicht durch Beiträge gedeckt sind. Diese „Nachhaltigkeitslücke“ macht vier Fünftel der tatsächlichen Schulden aus, die in den offiziellen Zahlen gar nicht sichtbar sind.

Gebrochene Haushaltsgrundsätze und „Töpfchenwirtschaft“

Der Finanzexperte identifiziert gleich mehrere der elf Haushaltsgrundsätze, die der amtierende Finanzminister bricht. Dazu gehören die Einheitlichkeit des Haushalts und die Haushaltsklarheit. Statt eines einheitlichen Bundeshaushalts haben wir eine „Töpfchenwirtschaft“ mit zahlreichen Sondervermögen und undurchsichtigen Verschiebungen. Das Prinzip der Haushaltsklarheit ist komplett gebrochen, und nur Experten können diesen „Verschiebebahnhöfen“ noch folgen. Schlimmer noch: Es ist eine „Frittenbude ohne Regeln“, da die grundlegenden Prinzipien einer soliden Finanzführung missachtet werden.

Kein Reformkanzler in Sicht: Ein Vergleich mit der Vergangenheit

Die aktuelle Bundesregierung rühmt sich zwar für Reformen, doch Raffelhüschen weigert sich, diese als solche anzuerkennen. Er erinnert an den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der mit seiner Agenda 2010 tatsächlich tiefgreifende Reformen umgesetzt hat. Schröders Steuerreform, die den Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent senkte, war um ein Vielfaches größer als das, was heute als „Steuerreform“ bezeichnet wird. Auch die Hartz-Reformen waren eine aktivierende Arbeitsmarktpolitik. Im Gegensatz dazu sieht Raffelhüschen in den heutigen Maßnahmen lediglich eine „Umetikettierung“ von Leistungen wie dem Bürgergeld, ohne wirkliche Anreize zu schaffen. Selbst Schröders Rentenkürzungen, die größte der deutschen Geschichte, wurden von späteren Arbeitsministern komplett ausgehebelt – eine Entwicklung, die die aktuelle Regierung fortsetzt.

Der Weg nach vorn: Was getan werden muss

Für Raffelhüschen ist klar: Deutschland muss gegensteuern. Das erfordert wirkliche Ausgabenstrukturreformen. Es muss mehr investiv und weniger konsumtiv ausgegeben werden. Auch bei den Personalausgaben muss gespart werden, da „Personal ohne Ende“ eingestellt wird. Die großen Posten des Sozialstaats, wie die Renten, müssen angegangen werden, und die in der Vergangenheit getroffenen „falschen Weichenstellungen“ müssen korrigiert werden. Selbst ein Darlehen für die Pflege wurde auf „Sankt Nimmerleinstag“ verschoben. Das Fazit des Ökonomen ist ernüchternd: Es fehle der politische Wille zum Sparen, und wo dieser Wille nicht vorhanden ist, bleiben zwangsläufig die Schuldenaufnahme und die Streckung von Tilgungen der einzige Weg.

Fazit: Eine Mahnung zur Nachhaltigkeit

Bernd Raffelhüschen schließt mit einer eindringlichen Mahnung: Die aktuelle Haushaltsführung ist nicht zukunftsorientiert, sondern ein kurzsichtiges Flicken, das die Lasten auf künftige Generationen abwälzt. Ohne einen echten Willen zur Konsolidierung und eine Rückbesinnung auf solide Haushaltsgrundsätze wird Deutschland weiterhin in einer „Frittenbude ohne Regeln“ wirtschaften. Dies untergräbt die langfristige Stabilität und Wohlfahrt des Landes. Es ist höchste Zeit für eine ehrliche Debatte und mutige Entscheidungen, um Deutschlands Finanzen wieder auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen.

Quelle: Apollo News

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