Einleitung: Das ländliche Sachsen-Anhalt im Fokus
Die Region Zahna-Elster nahe Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist ein Landstrich, der auf den ersten Blick durch weite Felder und vereinzelte Dörfer mit charmanten, doch oft leerstehenden Gebäuden besticht. Eine Idylle, die jedoch von tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen geprägt ist. Mitten in dieser Landschaft, die als eine der strukturschwächsten in Sachsen-Anhalt gilt, treffen wir auf Dirk Teschner. Er ist nicht nur Betreiber eines Imbissstandes im örtlichen Freibad, sondern auch Mitglied des Stadtrats von Wittenberg für die AfD und bietet einen einzigartigen Einblick in die aktuellen Sorgen und Stimmungen der Menschen vor Ort.
Das Video fängt die Atmosphäre dieser Region ein, zeigt Ulrich Sigmunt, den AfD-Spitzenkandidaten, umringt von Bürgern auf einem Dorfplatz und skizziert ein Bild, in dem politische und wirtschaftliche Realitäten eng miteinander verwoben sind. Wir tauchen ein in Teschners Welt, die zwischen den Herausforderungen des Unternehmertums, politischen Mandat und dem Wunsch nach Stabilität pendelt.
Das Freibad Zahna: Ein Ort der Begegnung und die Frage der Integration
Das Freibad in Zahna ist ein zentraler Treffpunkt für die lokale Gemeinschaft. Hier trifft man sich, verbringt die Freizeit und tauscht sich aus. Dirk Teschner, dessen Imbissbude das Herzstück des Bades bildet, sieht sein Freibad als einen Ort, der noch die Atmosphäre „alter Zeiten“ atmet. Eine Beobachtung, die der Reporter aufgreift, indem er auf die im Vergleich zu Großstädten wie Berlin geringe Präsenz von Migranten im Freibad hinweist.
Migrationsdebatte am Beckenrand
Teschner bestätigt, dass die Zahl der Migranten, selbst an heißen Tagen mit über 40 Grad Celsius, äußerst gering ist – er spricht von etwa 15 bis 20 Personen bei 500 Gästen. Probleme gäbe es hier kaum. Er erinnert sich an einen Einzelfall aus dem Vorjahr, bei dem ein Badegast die Badeordnung missachtete und sich weigerte, Anweisungen der Bademeisterin, einer Frau, zu befolgen. Solche Vorkommnisse seien jedoch Ausnahmen und nicht die Regel. Die Integration scheint hier in der ländlichen Struktur eine andere Dynamik zu haben als in urbanen Zentren.
Politische Stimmung: Die AfD als starke Kraft in der Region
Als Stadtrat für die AfD in Wittenberg ist Dirk Teschner ein wichtiger Seismograph für die politische Stimmung in der Region. Seine Aussagen verdeutlichen die starke Verankerung der Partei in den ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts.
Hohe Zustimmung und die Ursachen
Teschner berichtet, dass die AfD in einigen Dörfern bis zu 70 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint, während der Schnitt in der Gesamtregion bei rund 50 Prozent liegt. Nur in der Stadt Wittenberg selbst sei das Bild diversifizierter. Die politische Frustration ist spürbar, wenn Teschner erwähnt, dass selbst CDU-Plakate abgerissen werden – ein Verhalten, das er persönlich missbilligt, aber als Ausdruck der allgemeinen Stimmung interpretiert. Als einen Hauptgrund für die Unzufriedenheit und die starke politische Verschiebung nennt er den Verlust der lokalen Industrie, wie die Schließung einer großen Likörfabrik vor einigen Jahren, die zu Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit geführt hat. Die Region sei in großen Teilen ländlich geprägt, was den Bedarf an industriellen Arbeitsplätzen nicht kompensiert.
Erwartungen an die Politik
Die Bürger tragen ihre Sorgen direkt an ihren Stadtrat heran. Sicherheitsprobleme, Infrastrukturdefizite und die Ansiedlung von Unternehmen sind wiederkehrende Themen. Die Hoffnungen, die an Politiker wie Ulrich Sigmunt und die AfD geknüpft werden, sind hoch. Teschner zeigt sich jedoch realistisch: Er glaubt nicht, dass die Menschen naive Erwartungen hegen, dass sich alles von heute auf morgen ändern wird. Die Wähler seien sich bewusst, dass Veränderungen Zeit bräuchten, und schätzten die Komplexität der anstehenden Aufgaben ein.
Der Alltag eines Gastronomen: Zwischen Versorgungsengpässen und Bürokratie-Dschungel
Neben seinen politischen Aufgaben jongliert Dirk Teschner mit den alltäglichen Herausforderungen eines Kleinunternehmers. Die aktuelle Wirtschaftslage, Inflation und bürokratische Hürden setzen ihm stark zu.
Wenn die Ware knapp wird: Herausforderungen in der Beschaffung
Die größten wirtschaftlichen Sorgen Teschners betreffen nicht primär die Energiekosten, sondern die Beschaffung von Waren. Er berichtet von zunehmenden Schwierigkeiten, Produkte wie Pommes, Mayonnaise oder Eis zu erhalten. Die Zahl der Großhändler in Wittenberg hat sich von zwei auf einen reduziert, und die Lieferanten erhöhen kontinuierlich ihre Mindestbestellwerte. Was früher bei 200 Euro lag, liegt nun bei 600 bis 700 Euro – für einen kleinen Imbissbetreiber oft unerschwinglich. Dies führt dazu, dass Teschner nicht mehr alles bekommt, was er benötigt, und längere Vorbestellzeiten in Kauf nehmen muss. Eine Situation, die die Planungssicherheit erheblich einschränkt.
Der Schatten der Corona-Hilfen
Die Corona-Pandemie zwang Teschner, seinen ursprünglichen Gasthof aufzugeben und sich auf den saisonalen Imbissbetrieb zu konzentrieren. Die staatlichen Hilfen, die damals angeboten wurden, erwiesen sich als bürokratisches Labyrinth. Er benötigte einen Steuerberater, um die komplexen Anträge zu stellen. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Teschner muss bis heute mit den Nachwirkungen der Coronahilfen kämpfen. Rückzahlungsforderungen von mehreren Tausend Euro und laufende Prüfungen binden weiterhin Ressourcen und erfordern die erneute Beauftragung seiner bereits gekündigten Steuerberaterin. Diese ständige Unsicherheit war ein entscheidender Faktor für die Aufgabe des Gasthofs.
Planungsunsicherheit und Investitionsstau
Die größte Frustration für Teschner ist die mangelnde Planbarkeit. Er kritisiert, dass die Regierung „unberechenbar“ geworden sei. Als Unternehmer wisse er nicht, welche Entscheidungen morgen oder übermorgen getroffen werden. Dies betrifft nicht nur den täglichen Betrieb, sondern auch größere Investitionen. Teschner hätte gerne den Boden in seinem Betrieb erneuert oder andere Modernisierungen vorgenommen. Doch die Aufnahme eines Kredits für 10 Jahre oder länger ist unter diesen Umständen ein unkalkulierbares Risiko. Die Angst vor weiterer Verschuldung und fehlender staatlicher Verlässlichkeit führt zu einem Investitionsstau und dem Verzicht auf langfristige Pläne.
Vom Gasthof zur Imbissbude: Eine unternehmerische Neuausrichtung
Die Entscheidung, den Gasthof zu schließen und sich auf den saisonalen Imbissbetrieb zu beschränken, war das Resultat dieser zahlreichen Schwierigkeiten. Der Imbiss ist auf die Sommermonate begrenzt, was Teschner eine bessere Planbarkeit und eine höhere Lebensqualität ermöglicht. Er schätzt die Möglichkeit, seine drei kleinen Kinder während der Sommerferien mit zur Arbeit zu nehmen und familiäre Aspekte mit dem Geschäft zu verbinden. Der Schritt hin zur kleineren Gastronomie ist für ihn eine bewusste Entscheidung für mehr Freiheit und weniger Belastung, auch wenn ein Stück der alten Gastronomie damit verloren ging.
Bemerkenswert ist auch, dass sein früherer Gasthof als „AfD-Stammlokal“ bekannt war und sogar Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dort regelmäßig Gast war. Seit Teschner seine politische Zugehörigkeit offen zeigte, bleiben diese Gäste jedoch fern. Dies zeigt die Polarisierung, die auch im lokalen Geschäftsumfeld spürbar wird.
Ein Fazit aus Zahna: Hoffnung, Realismus und der Wunsch nach Stabilität
Dirk Teschners Geschichte ist exemplarisch für viele Kleinunternehmer in strukturschwachen Regionen. Sie verdeutlicht den täglichen Kampf mit bürokratischen Hürden, wirtschaftlichen Engpässen und einer unberechenbaren Politik. Trotz der schwierigen Umstände und der hohen Erwartungen an politische Veränderungen bleibt Teschner optimistisch und realistisch zugleich. Er genießt die Arbeit im Freibad, die ihm Freude bereitet und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Sein Bericht ist ein Weckruf aus dem Herzen Sachsen-Anhalts, der zeigt, wie eng das persönliche Schicksal von Unternehmern mit der regionalen Wirtschaft, der politischen Landschaft und der allgemeinen gesellschaftlichen Stimmung verknüpft ist.
Die Bewohner von Zahna und Umgebung hoffen auf eine Zukunft mit mehr Stabilität und Planbarkeit. Die Herausforderungen sind groß, doch die Resilienz und der Wunsch nach einem funktionierenden Gemeinwesen bleiben stark.

